Was war der Grund, die Privatstation «55+» ins Leben zu rufen?

Daniel Bielinski: Wir richten uns mit diesem neuen Angebot an Personen ab 55 Jahren, deren Abklärung und Behandlung weder ambulant noch in einem Akutspital oder in einem Pflegezentrum optimal zu bewerkstelligen ist – die ohne unser Angebot quasi «zwischen Stuhl und Bank» geraten würden.

Wer nutzt das Angebot?

Typisch sind etwa Patienten mit psychischen Störungen und neurologischen Erkrankungen wie zum Beispiel therapieresistenten Depressionen im Rahmen einer Parkinson- Krankheit oder Patienten mit schweren Verhaltensstörungen nach Hirnschlägen. Allgemein gesagt: Hauptursachen für den Eintritt sind Depressionen, Angststörungen, Psychosen oder Demenzerkrankungen im frühen bis mittleren Stadium.

... was alles eine spezialisierte Behandlung nötig macht.

Diese Patienten benötigen in der Tat eine sehr umfassende Abklärung und Behandlung, die nur von einem multidisziplinären Team angeboten werden kann, also psychiatrischen und somatischen Fachärzten, Psychologinnen und Therapeuten. Wir wollen mit «55+» privat versicherten, älteren Menschen die Möglichkeit bieten, hier im Kanton auf qualitativ hohem Niveau behandelt zu werden.

Wie lange bleiben die Patienten in der Privatstation?

Im Durchschnitt etwa fünf Wochen. Die grosse Mehrheit kommt von zu Hause, und viele kehren auch wieder dorthin zurück.

Hat das Angebot einen Zusammenhang mit der steigenden Lebenserwartung?

Indirekt. Mit dem neuen Angebot schliessen wir eine Lücke in der Versorgung. Die Privatstation ermöglicht älteren Menschen eine psychiatrische wie somatische Diagnose, Behandlung und Nachbehandlung im angestammten Umfeld, in der Nähe der Angehörigen, zudem werden Hausund Spezialärztinnen aktiv in die Behandlung einbezogen. Vorteile, die für die Genesung entscheidend sind.

Zur Person: Dr. med. Daniel Bielinski ist Chefarzt der Psychiatrischen Klinik Königsfelden der PDAG.

Interview: Ursula Känel Kocher