Roman Vogt, warum halten manche Menschen mehr aus als andere?

Roman Vogt: Weil sie Glück haben und über eine robustere seelische Gesundheit verfügen. Weshalb das so ist, ist Gegenstand moderner Forschungsprojekte.

Das heisst, man kann gar nicht viel dazu beitragen, ob man psychisch erkrankt oder nicht?

Vogt: Doch. Wer bedingungslos alles auf eine Karte setzt – sei es in Beruf, Karriere oder in der Familie – hat viel zu verlieren. Wer sein Leben hingegen mit Abwechslung würzt, neugierig bleibt, Freundschaften pflegt, sich viel bewegt, auch in der dunklen Jahreszeit das Licht sucht und sich ausgewogen ernährt, ist besser gerüstet.

«Positiv denken» lautet ein anderer, häufig gehörter Ratschlag. Mal ehrlich: Bringt das etwas?

Vogt: Wir wissen, dass uns die Flut von schlechten Nachrichten – und die ist enorm – depressiv stimmt. Menschen, die sich hingegen jeden Tag bewusst an ein schönes Erlebnis vom Vortag erinnern, fühlen sich glücklicher und zufriedener. Also: Weniger «Tagesschau», mehr Erinnerungen ans eigene Glück.

Welche Rolle spielt das Umfeld?

Vogt: Eine sehr wichtige. Vielfach ist es der Partner, die Partnerin, die erste Anzeichen einer psychischen Erkrankung bemerken – lange, bevor es dem Betroffenen selber bewusst wird.

Und wie reagiert man als Partner in einer solchen Situation?

Vogt: Nicht mit Vorwürfen, sondern, indem man seiner Sorge Ausdruck verleiht. Zum Beispiel mit Aussagen wie: «Ich mache mir Sorgen um dich. Ich habe den Eindruck, etwas stimmt nicht. Ich wäre froh, wenn du der Sache auf den Grund gehen würdest. Melde dich beim Arzt und sag ihm offen und ehrlich, wie es dir geht.»