Frau Wauschkies, seit Anfang Mai bieten Sie ein spezielles Mutter-Kind-Angebot an. An wen richtet es sich?

Ulrike Wauschkies: An Mütter mit einer psychischen Erkrankung, etwa einer postnatalen Depression. Diese wird aus Scham oft verschwiegen. Nach dem Motto: «Ich habe ein gesundes Kind zur Welt gebracht und habe jetzt gefälligst glücklich zu sein.» In der Realität sind aber postnatale Depressionen sehr häufig.

Das heisst, das Kind wird in die Therapie der Mutter aktiv einbezogen?

Irene Baltensperger: Der zentrale Punkt ist der, dass sich die Mutter nicht von ihrem Kind trennen muss. Speziell in dieser frühen Phase kann sich eine Trennung negativ auf die Mutter-Kind-Beziehung und die Entwicklung des Säuglings auswirken. In der Therapie geht es darum, einerseits natürlich die Grunderkrankung zu behandeln; andererseits, die Mutter darin zu unterstützen, Vertrauen in sich und in ihre Fähigkeiten als Mutter aufzubauen.

Das bedeutet, Mutter und Kind leben während der stationären Behandlung hier?

Ulrike Wauschkies: Das ist richtig. Das Angebot stellt ein Novum im Aargau dar. Bisher mussten Frauen, die sich während der Therapie nicht von ihrem Kind trennen wollten, ausserkantonal behandelt werden. Damit schliesst die PDAG eine Versorgungslücke. Zurzeit umfasst das Angebot ein Einzelzimmer für Mutter und Kind, integriert auf der Schwerpunktstation Depression/ Angst.

Gibt es spezielle Aufnahmebedingungen für die Mütter?

Irene Baltensperger: Das Kind darf nicht älter als ein Jahr sein und die Mutter sollte den grössten Teil der Kinderbetreuung und die Verantwortung selbstständig übernehmen können. Zudem darf kein Hinweis auf Selbst- oder Fremdgefährdung, keine akute Suchterkrankung und keine akute Psychose vorliegen.

Zur Person: Ulrike Wauschkies ist Stationsleiterin, Irene Baltensperger Oberärztin der Station P8-E der Klinik Königsfelden.