Falsche Hoffnungen will Karim Eid nicht wecken. Deshalb betont der Chefarzt der Orthopädie des Kantonsspitals Baden gleich zu Beginn: «Dieser chirurgische Eingriff, der bei jungen Patienten vorgenommen wird, bedeutet nicht, dass diese später im Alter kein künstliches Hüftgelenk brauchen. Das kann leider trotzdem der Fall sein.»

Worum gehts? Um Beschwerden wie diejenigen von Christoph Müller (Name geändert), 31 Jahre alt und begeisterter Hobby-Eishockey-Spieler. Er verspürt seit einigen Monaten während des Trainings, im Alltag und auch bei seinem Büro-Job im Sitzen vor dem Computer Schmerzen in der Hüfte.

Die Sache mit dem «Pistolengriff»

«Manche Hüftgelenke sind von ihrer Morphologie, also ihrer Form her eher dazu prädestiniert, Schmerzen zu verursachen», erklärt Karim Eid. Das Ganze sei ein mechanisches Problem: «Hüftkopf und Gelenkpfanne passen nicht optimal zueinander, führen zu Bewegungseinschränkungen und im späteren Verlauf zu Arthrose. » Dies habe man besonders bei Hüftköpfen beziehungsweise -hälsen, die die Form eines Pistolengriffs aufweisen, häufig beobachtet (siehe Bild).

Auch bei Christoph Müller wurde dank Magnetresonanz-Tomographie der «Pistolengriff» in der Hüfte entdeckt. Karim Eid erklärt, was er bei der bevorstehenden Operation genau machen wird: «Zum einen taillieren wir den Hüftknochen unterhalb des Gelenkkopfs. Das heisst, wir feilen ein Stück vom Knochen weg, sodass der Hals wieder schlank ist. Zum anderen trimmen wir den Pfannenrand; verändern also auch hier den Knochen in seiner Form.» Dies mit dem Ziel, dass Hüftkopf und Hüftpfanne danach besser aufeinanderpassen, die Schmerzen verschwinden und die Grundlage für eine spätere Hüftarthrose möglichst minimiert wird. Rund zwei Stunden dauert die Operation. «Neu daran ist, dass wir im Kantonsspital Baden diesen Eingriff seit gut drei Jahren arthroskopisch durchführen, also minimalinvasiv », erklärt Karim Eid.

Tiefere Komplikationsrate

Für den Patienten bringe das entscheidende Vorteile mit sich: «Bei der früheren, offenen Operationstechnik musste man das ganze Hüftgelenk auskugeln, um an die richtige Stelle zu gelangen. Dank dem heutigen Verfahren ist das nicht mehr nötig. Auch die Komplikationsrate ist tiefer.» Und vor allem: Früher durfte der Patient das Gelenk drei Monate nicht belasten und musste sich mit Stöcken fortbewegen. Christoph Müller hingegen wird sich bereits einen Tag nach der Operation auf den Hometrainer setzen (müssen).

Karim Eid schränkt allerdings ein: «Patienten, bei denen wir den Knochen sehr stark trimmen, sollten das Gelenk in den ersten sechs Wochen ebenfalls nur teilweise belasten. Dies wegen der Gefahr von Knochenrissen. » Zudem sei es vorgekommen, dass sich Patienten in den ersten Wochen nach der Operation über verminderte Empfindsamkeit im Genitalbereich beklagt hätten. «Das ist jedoch eine vorübergehende Erscheinung.» Angewendet wird die «Pfannenrand- Trimmung» respektive «Schenkelhals- Taillierung» bei Patienten im Alter von 18 bis rund 40 Jahren. Männer sind deutlich häufiger betroffen als Frauen.