Brustkrebs gehört zu ihrem Alltag. Aber längst nicht nur: Als Leiterin des zertifizierten Brustzentrums im Kantonsspital Baden wird Cornelia Leo auch mit anderen Fragen konfrontiert. Etwa: Wann zahlt die Krankenkasse eine Brustverkleinerung? Kann man für die Korrektur zweier ungleich grosser Brüste Eigengewebe verwenden? Ist es möglich, trotz Brustkrebs eigene Kinder grosszuziehen? Was genau bedeutet die Diagnose «Fibroadenom»?

Im interdisziplinären Brustzentrum des KSB, das seit 2008 als zweites Zentrum in der Schweiz nach den Kriterien der Deutschen Krebsgesellschaft und der Deutschen Gesellschaft für Senologie zertifiziert ist, erhalten Betroffene von einem Team von Brustexperten rund um Cornelia Leo und Nik Hauser, Direktor des Departements Frauen und Kinder und Chefarzt im KSB, Antwort auf all diese Fragen «sowie eine individuell zugeschnittene Behandlung nach modernsten Erkenntnissen».

Auch ästhetische Ansprüche

Was heisst das? Nik Hauser nennt als ein Beispiel die «onkoplastische Chirurgie». Dabei handelt es sich um eine Kombination von operativer Krebstherapie und plastischer Chirurgie. Hauser betont: «Im Zentrum steht die onkologische Sicherheit. Diese ist aber heute gut vereinbar mit ästhetischen Ansprüchen der Patientin.» So kann beispielsweise der Zugang zur Achselhöhle für die Entfernung von Lymphknoten über die Brust erfolgen, was Narben spart und einen schonenderen Eingriff für die Patientin bedeutet. «Im Vergleich zu früher wird heute bei diagnostiziertem Krebs nur noch selten die gesamte Brust entfernt», sagt Cornelia Leo. Falls dies jedoch aus medizinischen Gründen notwendig ist, gibt es gute Möglichkeiten, die Brust wiederherzustellen – «sei es mit  körpereigenem Gewebe oder aber mit Implantaten». Auch diesbezüglich erhält die Patientin im Brustzentrum umfassende Information und Aufklärung. Denn: «Brustkrebs ist nicht gleich Brustkrebs; und es gibt auch nicht die Standard-Behandlung, sondern immer ein individuell optimiertes Therapiekonzept.»

Veränderungen selten bösartig

Doch nicht jeder Knoten in der Brust muss ein Brustkrebs sein. «Veränderungen in der Brust sind sehr häufig», weiss Nik Hauser. Er betont: «Vor allem bei jüngeren Frauen entpuppen sich tastbare Knoten oft als gutartig.» Sogenannte «Fibroadenome» werden mittels Ultraschall diagnostiziert und können hinsichtlich ihrer Grösse und Form regelmässig kontrolliert werden. Eine bösartige Entwicklung gilt als äusserst selten. «Fibroadenome bis zu einer Grösse von zwei Zentimetern können, falls sich die Frau davon gestört fühlt, ambulant mittels einer sogenannten Vakuum-Biopsie in lokaler Betäubung entfernt werden», erklärt Cornelia Leo. Von ärztlicher Seite zur Entfernung geraten wird, wenn sich das Fibroadenom im Verlauf verändert. Sowohl Cornelia Leo als auch Nik Hauser stellen fest: «Die Frauen sind heute sensibilisierter, suchen bei Unsicherheiten früher einen Arzt auf.» Was Sinn macht: Brustkrebs gilt, sofern er früh entdeckt wird und noch keine Ableger im Körper gebildet hat, als eine heilbare Krebserkrankung.

Kinderwunsch trotz Brustkrebs

Und wie ist jetzt das mit dem Kinderwunsch? «Früher hat man Frauen mit Brustkrebs explizit davon abgeraten, noch schwanger zu werden», so Cornelia Leo. Heute bietet die Medizin die Möglichkeit, Eierstockgewebe (oder auch Eizellen) zu entnehmen und einzufrieren, bis die Krebstherapie abgeschlossen ist. Nik Hauser ergänzt: «Brustkrebs und Kinderwunsch sind heute oft durchaus vereinbar. Zurzeit bietet das Brustzentrum des Kantonsspitals Baden Brustkrebspatientinnen mit Kinderwunsch eine Studienteilnahme unter exakt kontrollierten Bedingungen an.»