Einstein war nicht nur ein Genie in Sachen Physik, sondern auch ein begabter Geigenspieler. Was das mit dem Gefässzentrum des Kantonsspitals Baden zu tun hat? Einstein, der bekanntlich die Kantonsschule in Aarau besuchte, starb 1955 an einem geplatzten Bauchaortenaneurysma. Etwas, womit sich der Leitende Arzt Thomas Huber bestens auskennt. Der Grossonkel seiner Frau spielte übrigens ebenfalls Geige – und besuchte gemeinsam mit Albert Einstein Orchesterproben in Aarau. Ein von der Familie sorgsam gehüteter Briefwechsel der beiden bezeugt dies.

Was, wenn die Aorta platzt?

Würde Einstein heute noch immer sterben oder könnten die medizinischen Fortschritte der letzten 60 Jahre dies verhindern? «Ein geplatztes Aortenaneurysma führt unbehandelt nach wie vor zum Tod, meist innerhalb von Stunden, oft begleitet von heftigen Schmerzen im Bauchund Flankenbereich mit schnellem Kreislaufkollaps», sagt Thomas Huber.

Hingegen sei es heute möglich, Risikopatienten – Männer sind sechsmal häufiger betroffen als Frauen – frühzeitig zu erkennen und zu behandeln, fügt Alexander Engwicht, ebenfalls Leitender Arzt des Gefässzentrums, hinzu. So würden heute Bauchaortenaneurysmen im Rahmen von Abklärungen im Bauchraum viel häufiger diagnostiziert – «wenn auch noch nicht im gewünschten Ausmass », so Engwicht. Speziell bei Personen mit einem erhöhten Risikoprofil wäre ein «Screening» darum sinnvoll, betont Thomas Huber.

Wer ist gefährdet?

Der typische Aneurysma-Patient ist männlich, über 65 Jahre, aktiver oder Ex-Raucher und leidet an Bluthochdruck. Fünf von hundert Männern über 65 Jahre weisen eine krankhafte Erweiterung der Hauptschlagader (Aorta) auf. Diese lässt sich mittels Ultraschall oder Computertomographie bildlich darstellen. Normalerweise ist die Hauptschlagader als zwei Zentimeter breiter Schlauch im Bauchraum erkennbar. Das klassische Bauchaortenaneurysma bildet sich als ballonförmige Ausweitung zwischen Nieren- und Beckenarterien aus. Durch die Ausweitung wird die durch Arteriosklerose geschwächte Wand immer dünner und ist somit rupturgefährdet. Sprich: Sie kann reissen. «Alle Patienten mit einem Bauchaortenaneurysma mit mehr als vier Zentimetern Durchmesser sollten deshalb halbjährlich zur Kontrolle», sagt Alexander Engwicht. Ab einer Grösse von mehr als fünf Zentimetern werde zu einer baldigen Operation geraten, weil in diesem Fall die Gefahr der Ruptur immer mehr zunehme.

Das Perfide dabei: In 90 Prozent der Fälle haben die Patienten keinerlei durch das Aneurysma verursachte Beschwerden. «Deshalb tun sie sich oft schwer mit der Entscheidung zur Operation», sagt Thomas Huber. Der Mensch sei nun mal so gestrickt, dass er nur bei entsprechendem Leidensdruck bereit sei, etwas zu unternehmen respektive zu verändern.

Wie behandeln?

Dies ist insofern tragisch, als die operative Versorgung eines geplatzten Bauchaortenaneurysmas deutlich schlechtere Resultate ergibt als die Versorgung unter sogenannten «Ruhebedingungen» bei nicht geplatztem Aneurysma. Will heissen: Die Sterblichkeitsrate ist im ersten Fall viel höher als bei einer geplant durchgeführten Bauchaortenaneurysma - Operation. Zwei Versorgungsmöglichkeiten stehen heute – im Notfall wie auch bei der geplanten Operation – zur Verfügung: Die sogenannt offene, konventionelle Operation und das endovaskuläre Vorgehen (Artikel unten).

Und Albert Einstein? Der wusste von seinem Aneurysma. Eine Operation lehnte er 1955 aber ab mit den Worten: «I want to go, when I want. I will do it elegantly.»