Ab 2016 führt Monika Ridinger bei den Psychiatrischen Diensten Aargau (PDAG) das Achtsamkeitsverfahren in allen Disziplinen des Zentrums Sucht in den PDAG ein. Was aber beinhaltet diese Methode?

«Die meisten Methoden zur Rückfallprävention basieren auf Bewältigungsstrategien. Dabei soll sich der Betroffene beim Verlangen nach der süchtigmachenden Substanz nicht dem Konsum hingeben», erklärt Chefärztin Monika Ridinger. Er soll vielmehr alternative Handlungen – wie beispielsweise Sport – ausüben. Ein anderer Ansatz wird von derachtsamkeitsbasierten Rückfallprävention, dem «Mindfullness-Based Relapse Prevention Programm» (MBRP), verfolgt. Es fordert den Süchtigen auf, zuerst bewusst innezuhalten, wenn erden Drang verspürt zu konsumieren. «Konzentriert nichts tun und sich erst seiner Situation gewahr werden, das ist der Schlüssel», sagt Monika Ridinger. Davon ausgehend, dass zwischen Reiz und Reaktion ein Raum der Freiheit liegt, aus dem Wachstum und Entwicklung entstehen kann, lernen Süchtige, diesen Raum zu schaffen. Alternative Handlungen folgen danach.

Stressfrei innehalten
Das Innehalten lernen Sucht-Patienten im Rahmen des MBRP-Programms – entwickelt in den 1980er-Jahren vom Psychologen Alan Marlatt – in acht Sitzungen mit unterschiedlichen Übungen. «Das Lernen der Übungen funktioniert nur, wenn sich der Betroffene nicht in einer Stresssituation befindet», ergänzt Ridinger. Daher gehe es darum, die Techniken in einem entspannten Zustand zu erlernen und sie regelmässig zu üben: «Kann man sich in einem Rückfallmoment gewahr werden, wirkt dies präventiv», so Monika Ridingers Fazit.

Von der Technik zur Haltung
Die Achtsamkeitsübungen ähneln jenen des Entspannungsverfahrens und beinhalten unter anderem Muskelentspannungsübungen. Im Unterschied dazu geht es beim achtsamkeitsbasierten Verfahren nicht primär um Entspannung, sondern um ein konzentriertes Anwenden der Techniken. «Im Idealfall», so Ridinger, «nimmt der Patient bei regelmässiger Übung eine achtsamkeitsbasierte innere Haltung an. Dabei steht das Erleben des Moments ohne Bewertung im Vordergrund. » Das MBRP-Programm hat sie bereits mit Erfolg in psychiatrisch-psychosomatischen Kliniken eingeführt. Anknüpfend daran werden unter ihrer Leitung ab 2016 im Suchtzentrum der PDAG Schulungen in achtsamkeitsbasierter Rückfallprävention durchgeführt. Im Moment leben Ein wichtiges Prinzip ist das Leben im Hier und Jetzt. Dass Achtsamkeitsübungen bei Sucht-Patienten gut funktionieren, sei nicht verwunderlich, erklärt Ridinger. «Süchtige sind, bedingt durch das stete Verlangen nach dem nächsten Kick, sowieso vom Moment geprägt.»

Wie nachhaltig aber ist die achtsamkeitsbasierte Rückfallprävention? Studien beweisen, dass die Rückfallquote von Alkoholabhängigen, die das MBRP-Programm durchliefen, deutlich geringer ist als bei jenen, die nicht mittels Achtsamkeitsübungen behandelt wurden. «Ein Rückfall», so Ridinger, «kann nie ganz ausgeschlossen werden. Durch das Achtsamkeitsverfahren lernen Patienten aber, sich in jedem Moment selbst zu reflektieren und anzunehmen. Dadurch entsteht Freiheit, welche im Rückfallmoment stark vorbeugend wirkt.»

Autorin: Ursula Känel Kocher / Gesundheit Aargau