Es gibt sie seit exakt 15 Jahren, die Tagesklinik in Baden. Im teilstationären Angebot der Psychiatrischen Dienste Aargau AG (PDAG) erhalten Patientinnen und Patienten in einer akuten Krise eine psychiatrisch-psychotherapeutische Behandlung und können gleichzeitig in ihrem Alltag und sozialen Umfeld integriert bleiben. Doch: Psychische Probleme enden bekanntlich nicht um 17 Uhr abends. Macht da eine Tagesklinik überhaupt Sinn? Ulla Schoch sagt: «Patienten, die bei uns angemeldet werden, müssen in der Lage sein, die Abende und das Wochenende zu Hause zu verbringen.» Die Psychologin arbeitet seit siebeneinhalb Jahren in der Tagesklinik und teilt sich seit anderthalb Jahren die Leitung mit Elisabeth Keller, Fachärztin für Neurologie und Psychiatrie.

Strukturiertes Tagesprogramm

Mit Eintritt in die Tagesklinik verpflichten sich die Patienten zur Teilnahme am strukturierten Tagesprogramm. Ulla Schoch: «Ein wichtiges Ziel der Tagesklinik ist die Wiederherstellung der normalen Tagesstruktur. In diesem Sinne ist der Ablauf in der Klinik eine Widerspiegelung des Lebens draussen, ein Training dafür. Es ist wie bei der Arbeit, man darf nicht einfach fehlen.» Neben Gruppentherapien und Einzelgesprächen nehmen die Patienten an Mal-, Bewegungs- und Ergotherapie teil, lernen damit ihre Freizeit aktiver zu gestalten und üben Alltagsfähigkeiten wie Kochen, Haus- und Gartenarbeiten. Was die Patienten tagsüber gelernt haben, können sie abends und am Wochenende zu Hause anwenden: «Dieses Transferwissen ist von grosser Bedeutung und hilft den Patienten, sich schneller wieder im Alltag zurechtzufinden. Auch die starke Einbindung der Familienangehörigen mittels regelmässiger Gespräche hilft in diesem Prozess», sagt Ulla Schoch.

Finanzierung ungewiss

Ulla Schoch betont: «Die Tageskliniken bieten vielen Patienten die passende Behandlung und entlasten die Klinik Königsfelden. Eine stationäre Behandlung ist nicht in allen Fällen notwendig.» Die intensive Behandlung der Tageskliniken sei kostengünstiger, da sie ohne Hotellerie funktioniere und keinen 24-Stunden- Betrieb aufrechterhalten müsse. Doch genau da besteht ein Konflikt: Die Krankenkassentarife für die ambulanten und teilstationären Angebote sind für die PDAG nicht kostendeckend. Der Kanton Aargau gewährt für diese Angebote den PDAG zwar so genannte «gemeinwirtschaftliche Leistungen». Diese reichen jedoch nicht aus, um die Lücke zwischen Erträgen und Kosten zur Aufrechterhaltung der ambulanten und teilstationären Angebote zu schliessen.

Ulla Schoch sagt: «Diese Lücke in der Finanzierung steht im Gegensatz zum Wissen, dass das soziale Umfeld und die berufliche Integration entscheidende Komponenten für die psychische Gesundheit sind.» Faktoren, die in Angeboten wie dem der Tagesklinik Baden zum Tragen kommen und den Patienten eine einfachere Wiedereingliederung im beruflichen wie sozialen Umfeld ermöglichen. Behandlungsplätze in Tageskliniken sind sehr gefragt: «Die Nachfrage nach freien Plätzen ist sehr hoch und in den letzten Jahren stark angestiegen; es gibt immer wieder Wartelisten », sagt Ulla Schoch. Im letzten Jahr kamen die drei Tageskliniken der PDAG zusammen auf rund 11 500 Behandlungstage.