Herr Unger, warum kommen Schulverweigerer zu Ihnen? Das ist doch kein psychiatrisches Thema.
60 Prozent aller Patienten im Alter von 14 bis 18 Jahren, die bei den PDAG auf der Station Kinder- und Jugendpsychiatrie behandelt werden, sind Schulverweigerer. Daher ist dies sehr wohl auch ein psychiatrisches Thema.

Wie erkenne ich als Elternteil, ob mein Kind ein Schulverweigerer ist?
Einfach gesagt daran, wenn das Kind nicht mehr in die Schule geht. Wenn Ihr Kind beispielsweise über Bauchschmerzen klagt und nicht in die Schule gehen möchte, sollte es zu Hause bleiben. Spätestens am dritten Tag aber sollte ein Kinderarzt abklären, ob das Bauchweh physische Ursachen hat. Hier ist der Arzt gefragt, genau hinzusehen: Ist es krank, muss das Kind behandelt werden. Möchte es aus anderen Gründen nicht in die Schule gehen, sollte schnell mit dem Schulpsychologen abgeklärt werden, wo das  Problem liegt. Der Zeitfaktor spielt hier eine zentrale Rolle: Je länger das Kind abwesend ist, desto schwieriger wird die Rückkehr in die Schule.

Ist jeder Bauchwehanfall eine Schulverweigerung?
Nein. Wenn das Kind nach wenigen Tagen wieder in die Schule geht oder trotz Bauchschmerzen nicht zu Hause bleibt, gibt es für Eltern keinen Handlungsbedarf.

Wie sollen Eltern mit ihrem Kind umgehen, wenn es sich weigert, in die Schule zu gehen?
Eltern und Kind sollten als Erstes den schulpsychologischen Dienst aufsuchen. Oft sind gar keine zusätzlichen Schritte notwendig. Wenn doch, weist die Schulpsychologie Schulverweigerer an die Kinderpsychiatrie weiter.

Ist nicht die Schule dafür verantwortlich, eine Lösung zu finden?
Natürlich, dies ist primär die Aufgabe der Schule beziehungsweise die des Lehrers, zu bemerken, wenn sich eine Schulverweigerung anbahnt. Mit den Eltern sollten dann die ersten Schritte geplant werden. Ein Kinder- und Jugendpsychiater kommt erst hinzu, wenn die Schule Unterstützung braucht.

Internet: www.pdag.ch

Autorin: Ursula Känel Kocher / Gesundheit Aargau