Hans W., ein 38-jähriger Lehrer, ist irritiert: Seit einigen Wochen bekundet er Schwierigkeiten beim Sprechen. Als zusätzlich ein epileptischer Anfall auftritt, überweist ihn sein Hausarzt ins Kantonsspital Aarau, wo im Rahmen der Magnetresonanztomographie- Untersuchung (MRI) ein Hirntumor in der Nähe des Sprachzentrums entdeckt wird. Hans W. wird durch die Neurochirurgen im Wachzustand operiert, sodass während des Eingriffs gewährleistet ist, dass das Sprachzentrum nicht verletzt wird.

Die Gewebeuntersuchung zeigt einen hirneigenen Tumor («Gliom»). «Durch die ergänzende molekular- genetische Analyse der Tumorzellen wird das individuelle Tumorprofil charakterisiert, das in der Situation von Hans W. eine hohe Empfindlichkeit auf eine Strahlen- und spezielle Chemotherapie vorhersagt », sagt Prof. Dr. Ulrich Roelcke, Leiter des Hirntumorzentrums im KSA. Die Indikation zu dieser kombinierten Behandlung und die individuelle Planung werden im neuro- onkologischen Tumorboard besprochen.

Operation bis Nachsorge

Während der Strahlen- und Chemotherapie wird Hans W. von den Spezialisten der Radio- Onkologie und Medizinischen Onkologie in interdisziplinären Sprechstunden mit dem Hirntumorzentrum betreut, das die Koordination aller postoperativen Massnahmen übernimmt und auch für die Tumornachsorge zuständig ist. «Je nach Behandlungs- oder Nachsorgephase trifft Hans W. einen oder mehrere Spezialisten gleichzeitig in der Sprechstunde. Diese Spezialisten sind während der gesamten Behandlung für ihn zuständig», so Ulrich Roelcke. Hans W.s Symptome und Fragen können somit gemeinsam erfasst und erläutert werden. In regelmässigen Abständen werden zudem auch MRI-Kontrollen durchgeführt, deren Ergebnisse am selben Tag mit Hans W. besprochen werden. Ulrich Roelcke: «So ergibt sich eine Kontinuität der Betreuung, die alle Bedürfnisse der Tumorbehandlung und Symptomkontrolle berücksichtigt. »

Autor: Ursula Känel Kocher, Gesundheit Aargau