Jeden Montag trifft sich das Leukämie- Board, jeden Dienstag die Boards für Brust- und Darmkrebs, jeden Freitag das Board für Lungenkrebs. Die Liste ist längst nicht abschliessend: Sechzehn verschiedene Tumorboards gibt es im Kantonsspital Aarau.

Sinn und Zweck dieser Boards? Das gemeinsame Festlegen eines jeden einzelnen Behandlungsplans. Dr. Martin Wernli, Leiter des Zentrums für Onkologie, Hämatologie und Transfusionsmedizin am KSA, sagt es so: «Die Erkenntnisse in Diagnostik und Behandlung von Krebs haben in den letzten zwanzig Jahren eine unglaubliche Entwicklung erfahren. In vielen Fällen können wir sogar schon molekularbiologische ‹Fehler› in den Krebszellen identifizieren und gezielt behandeln.» Heute könne kein einzelner Arzt nicht mehr allein das ganze Gebiet überblicken.

Anders ausgedrückt: In die Behandlung von Tumorpatienten ist immer eine grosse Anzahl von Spezialisten involviert – vom Molekulargenetiker über den Chirurgen, Onkologen und Strahlentherapeuten bis hin zum Onkopsychologen. Im KSA sind rund 30 Spezialabteilungen mit der Krebsbekämpfung beschäftigt. «Interdisziplinarität » lautet das Zauberwort, das Wernli an einem Beispiel verdeutlicht: «Jede Patienten- und Krebssituation muss eingehend studiert und individuell beurteilt werden. Nur so kann man die heutigen Therapiemöglichkeiten optimal ausnutzen. Oft hat man die besten Erfolge, wenn man Chirurgie, Chemotherapie, Antikörpertherapie und Strahlentherapie kombiniert anwendet.»

Modernstes Krebszentrum

«Das Kantonsspital Aarau», betont Dr. Martin Wernli, «entspricht in allen Bereichen den Anforderungen eines modernsten Krebszentrums.» Im KSA sind alle benötigten Fachpersonen vor Ort. Behandelt werden sämtliche Tumor-Arten, vom häufigen Prostata-, Brust-, Darm- oder Lungenkrebs über Leukämien und Lymphome bis zum eher seltenen Kehlkopf-, Schilddrüsen- oder Brustfelltumor. So behandelt das KSA jährlich 2300 neue Tumorfälle von insgesamt etwa 3500 Neuerkrankungen im Kanton Aargau. In den 16 Tumorboards werden pro Jahr 3600 Patienten vorgestellt. Besondere Schwerpunkte sind die autologe Stammzelltransplantation, früher Knochenmarkstransplantation genannt, bei bösartigen Blutkrankheiten und die Behandlung von Hirntumoren. In beiden Bereichen gehört das KSA zu den fünf grössten Krebszentren der Schweiz.

Ausbildung und Forschung

Bei einem medizinischen Gebiet, das sich derart rasch entwickelt wie die Onkologie, muss der Aus- und Fortbildung von Fachleuten besondere Beachtung geschenkt werden. «Die Förderung von gut ausgebildetem Nachwuchs hat im KSA einen hohen Stellenwert», sagt Wernli. Auf ärztlicher Seite hat das KSA in 13 Disziplinen die FMH-Ausbildungsanerkennung der höchsten Kategorie A. Fortschritte in der Medizin werden durch Grundlagenforschung und durch klinische Forschung (Überprüfung von Therapieerfolgen) erzielt. Das Kantonsspital Aarau beteiligte sich im letzten Jahr an 49 klinischen Krebsstudien in schweizerischen und internationalen Kooperationen. Auch engagierte es sich in 17 Projekten der Grundlagenforschung, insbesondere in der Tumorbiologie.

Martin Wernli nennt einen weiteren Aspekt: «Jeder Krebsbetroffene ist ein Einzelfall. Nicht nur in Bezug auf die körperlichen Herausforderungen der Krankheit, sondern vor allem auch im psychologischen Bereich.» Es sei zentral, dass sich Patienten und Angehörige auch in einem grossen Zentrum gut aufgehoben und menschlich betreut fühlten.