«Weniger Bewegung ist mehr.» Wie bitte? Und das sagt Orthopäde Karim Eid, der eben erwähnt hat, dass heute 40 Prozent der Arztbesuche durch Probleme mit dem Bewegungsapparat begründet sind und der immerhin Leiter des neuen Bewegungszentrums im Kantonsspital Baden ist? Eid lacht und relativiert: «Im übertragenen Sinn. Gemeint sind die kürzeren Wege für die Patienten, weil sich im Bewegungszentrum sämtliche Spezialisten Tür an Tür befinden.»

Orthopäden, Rheumatologen, Physio- und auch Schmerztherapeuten: Sie alle beschäftigen sich mit dem Bewegungsapparat. Seit dem 6. Juli tun sie dies gemeinsam im neuen Bewegungszentrum. Interdisziplinär, sprich spartenübergreifend, lautet das Motto. Karim Eid erklärt: «Für den Patienten ist es nur von Vorteil, wenn er die Meinungen verschiedener Fachleute zu hören bekommt.» Bereits vorher wurde eine interdisziplinäre Sprechstunde angeboten – allerdings aus Kapazitäts- und Platzproblemen nur «auf Sparflamme.» Diese solle gemäss Eid künftig stark ausgebaut werden. Einfach, unkompliziert -– im Stil von: «Herr Kollege, können Sie mal rasch rüberkommen und einen Blick auf dieses Röntgenbild werfen? »

Ganzheitliche Betrachtungsweise

Probleme mit dem Bewegungsapparat sind vielschichtig und verlangen eine ganzheitliche Betrachtungsweise. Während der Orthopäde gemäss Karim Eid «stark anatomisch fixiert » ist, sprich sich um Defekte am Stütz- und Bewegungsapparat kümmert, ist der Rheumatologe auf chronische Entzündungskrankheiten (etwa Polyarthritis, Morbus Bechterew und andere) spezialisiert. «Beide Fachrichtungen können sich ergänzen und voneinander lernen», ist Andreas Thueler, Leiter Rheumatologie, überzeugt. Für den Patienten entfallen durch die interdisziplinäre Sprechstunde Mehrfachtermine und mühseliges Hin und Her zwischen den Spezialisten.

Das hat auch Patient Hermann Fischer (Name geändert) so erlebt. Der 37-Jährige litt seit Jahren an lumbosakralen Schmerzen (beim Übergang zwischen Lendenwirbelsäule und Kreuzbein), zeigte eine Hypermobilität (Überbeweglichkeit) sowie ein schmerzendes Illiosacralgelenk. In der interdisziplinären Sprechstunde wurde ihm erst vom Physiotherapeuten ein Programm zur Rumpfstabilisierung und zum Aufbau der Haltemuskulatur verordnet. Besserung trat zwar ein, doch die Schmerzen in der Leiste blieben.

Enorme medizinische Fortschritte

Die erneute klinische Untersuchung ergab den Verdacht auf eine Verengung im Hüftgelenk. Jetzt kam Orthopäde Karim Eid zum Zug: Er korrigierte das Hüftgelenk operativ, und danach war Hermann Fischer endlich schmerzfrei. Die erwähnte Hüft-Operation gewinnt zunehmend an Bedeutung. Das neue Bewegungszentrum im KSB bietet die spezialisierte MRI, die diagnostische Infiltration und die arthroskopische Behandlung unter einem Dach an. «Die arthroskopische Offset-Korrektur gehört bei uns mittlerweile zu den Routine-Eingriffen», sagt Karim Eid.

Auch in der operativen und konservativen Behandlung von Schultererkrankungen seien in den letzten Jahren enorme Fortschritte gemacht worden. So hat das KSB eine weltweit erste individuell angepasste Operationstechnik für inverse Schulterprothesen entwickelt, die eine noch präzisere und damit dauerhaftere Implantationstechnik erlaubt. Karim Eid: «Mobilität ist lebenswichtig und gewinnt zunehmend an Bedeutung. Heute will man mit 70 noch genau so beweglich sein wie mit 50. Das können wir zwar auch im neuen Bewegungszentrum nicht garantieren, aber zumindest die dafür bestmöglichen Rahmenbedingungen