«Mit der Beckenbodenmuskulatur ist es wie mit jeder Muskulatur: Mit gezieltem und regelmässigem Training wird sie stärker, nimmt aber auch wieder ab, wenn man das Training schleifen lässt», so Gabriel Schär, Leiter des Beckenbodenzentrums am Kantonsspital Aarau. Wichtig zu wissen ist: Die Beckenbodenmuskulatur ist ein äusserst
vielschichtiges, verzweigtes Geflecht; sie umschliesst die Harnröhre, die Scheide und den Darmausgang und kontrolliert zusammen mit den Schliessmuskeln die Öffnungen.

Zu den «Klassikern» des Beckenbodentrainings, das Mitte des neunzehnten Jahrhunderts von einem Arzt namens Arnold Kegel entwickelt wurde, gehört das bewusste An- und Entspannen des «Musculus pubococcygeus» - das ist derjenige, der zum Einsatz kommt, wenn man den Urinstrahl unterbrechen will.

Anspannen und loslassen
Schär empfiehlt Frauen, die in der Lage sind, den Beckenbodenmuskel willentlich zu aktivieren, ein tägliches Beckenbodenfitnessprogramm durchzuführen. «Versuchen Sie, diesen Muskel während drei Sekunden zusammenzuziehen und dann für sechs Sekunden zu entspannen, mehrmals nacheinander. Anschliessend wird er in rascher Folge angespannt und entspannt, ebenfalls mit mehreren Wiederholungen», so Gabriel Schär. Diese Übungen können jederzeit im Alltag integriert werden, im Zug, auf dem Bürostuhl
oder in der Küche. Viele Frauen können ihre Beckenbodenmuskulatur nicht aktivieren und benötigen Hilfe. Im Beckenbodenzentrum des KSA schulen Physiotherapeutinnen
die Klientinnen in der Wahrnehmung ihres Beckenbodens und geben Tipps für die korrekte Aktivierung der Muskulatur.

Daneben kann man seinem Beckenboden mit einfachen Massnahmen Gutes tun: Aufrecht stehenbleiben bei Husten und Niesen, nicht in den Bauch hineinhusten, kein Pressen auf der Toilette, beim Sitzen auf eine gute Haltung achten und schwere Lasten mit geradem Rücken heben.

Autorin: Ursula Känel Kocher / Gesundheit Aargau