Eine solche Nachricht hört man gern: «Früher war man nach einem Herzinfarkt nicht selten invalid. Heute kann man ihn praktisch ohne Schaden überstehen.» Der, der das sagt, muss es wissen: André Georges Vuilliomenet, Chefarzt der Kardiologie am Kantonsspital Aarau, behandelt jährlich rund 300 Personen mit akutem Herzinfarkt. Das sind jene, die – egal zu welcher Uhrzeit – eine sofortige Behandlung im Herzkatheterlabor benötigen. «Jene, die mit aschgrauem Gesicht eingeliefert werden und zwischen Leben und Tod schweben», sagt Vuilliomenet. Je schneller die Durchblutungsstörung im Herz ausfindig gemacht und behoben wird, desto geringer ist das Risiko von bleibenden Schäden. «Voraussetzung dafür ist ein perfektes Zusammenspiel aller beteiligten Bereiche; vom Rettungsdienst über die Notfall- und Intensivstation bis zum Herzkatheterlabor», sagt Vuilliomenet. Denn: Innerhalb von rund einer Stunde, so die Faustregel, sollte der akute Herzinfarkt-Patient behandelt werden.

Kapazitäts-Engpässe behoben

Dafür steht am Kantonsspital Aarau ein erfahrenes Team von Kardiologen und spezialisierten Pflegefachfrauen an 365 Tagen pro Jahr rund um die Uhr im Dienst. Dieses hatte allerdings in den vergangenen Jahren ganz massiv mit Kapazitäts-Engpässen zu kämpfen. Umso grösser darum die Freude von Chefarzt Vuilliomenet, als im Dezember 2012 zwei Herzkatheterlabore der neusten Generation in Betrieb genommen werden konnten. Die neuen Labors sind mit riesigen Bildschirmen ausgestattet, auf denen sämtliche Patientendaten und Bilder von früheren Untersuchungen abgerufen werden können. Daneben verfügt das Pflegepersonal über einen eigenen Monitor, und auch die Anästhesie- Fachleute sind räumlich eingebunden. Neu gibt es zwischen den zwei Labors einen grossen, gemeinsamen Überwachungs- und Schaltraum, auf dem «online» verfolgt werden kann, was in den Labors gerade gemacht wird; einen Vorbereitungssowie Nachsorgeraum und einen speziellen Befundraum für die Ärzte. «Dies erlaubt bei komplexen Eingriffen eine optimale Planung und Durchführung, kurze Untersuchungszeiten, weil man sämtliche Informationen von früheren Untersuchungen jederzeit auf dem Computer abrufen kann – damit auch eine grössere Patientensicherheit», so Vuilliomenet. Zudem sei mit den neuen Geräten die Strahlenbelastung für Patient und Personal massiv kleiner.

«Auf universitärem Niveau»

Mit diesem Ausbau der kardiologischen Intensiv-Diagnostik und Therapie biete das Kantonsspital Aarau als wichtiges Zentrum in der Akutversorgung von Herzinfarktpatienten «medizinische Leistungen auf universitärem Niveau», betont André Georges Vuilliomenet. Dank der neuen Herzkatheterlabore können im Vergleich zu vorher doppelt so viele Patienten behandelt werden. «Zudem sind wir jetzt auch für ambulante Herzkatheteruntersuchungen in grösserer Zahl bestens gerüstet, früher mussten diese nicht selten an weitere Stellen verwiesen werden.» Die Behandlung von Herzinfarkt- Patienten ist dabei nur ein Teil der Kardiologie. Daneben nehmen Behandlungen von Herzanomalien ausserhalb der Herzkranzgefässe – sogenannte strukturelle Herzkrankheiten und Herzklappenerkrankungen – an Bedeutung zu. Im Laufe dieses Jahres wird darum die gesamte Kardiologie in unmittelbarer Nachbarschaft der beiden Herzkatheterlabore ihre neuen Räume beziehen.

Autorin: Ursula Känel Kocher