Anfang Juni hat sich der Verein „Swiss Hyperthermia Network“ konstatiert. Dieser bezweckt die Organisation der Durchführung onkologischer Hyperthermie-Behandlungen in Kombination mit einer Strahlentherapie gemäss nationalen und internationalen Qualitätsrichtlinien. Die Vereinsgründung steht im Zusammenhang mit der Anerkennung der Therapieform als Pflichtleistung der Grundversicherung.

 

Prof. Dr. med. Stephan Bodis, Chefarzt des Radio-Onkologie-Zentrums der Kantonsspitäler Aarau und Baden, führt den Verein „Swiss Hyperthermia Network“ als Präsident. „Wir entsprechen mit der Vereinsgründung einer Auflage des Bundesamts für Gesundheit und können gleichzeitig die Qualität der Hyperthermie-Behandlungen in der Schweiz massgeblich mitprägen“, erklärt er dazu.
Prof. Dr.  med. Bodis,  Dr. med. Emsad Puric und Prof. Dr. med. Niloy Datta hatten sich zusammen mit einem engagierten Team über Jahre für die Anerkennung dieser Therapie bei der obligatorischen Krankenversicherung eingesetzt.

 

Die onkologische Hyperthermie in Kombination mit einer Strahlentherapie ist bei ausgewählten Indikationen seit Anfang 2017 eine Pflichtleistung der obligatorischen Krankenversicherung. Für eine Kostenübernahme wird vorausgesetzt, dass alle Kliniken, die eine solche Behandlung anbieten, dem neuen Verein angehören. Alle Patienten mit einer möglichen Indikation werden vor der Behandlung beim „Swiss Hyperthermia Tumorboard“ vorgestellt und beurteilt. Diese Tumorkonferenz, welche sich aus spezialisierten Ärzten zusammensetzt, legt das Behandlungsschema schriftlich fest. Sie wurde bereits im Jahr 2014 ins Leben gerufen und ihr gehören 12 Kliniken, darunter Universitäts- und Kantonsspitäler sowie Privatkliniken, an. „Mit der Vereinsgründung erhoffen wir uns, weitere Institutionen für die Anwendung der onkologischen Hyperthermie begeistern zu können“, sagt Stephan Bodis

 

Routinemässig wird die Kombination aus Hyperthermie und Radiotherapie am Kantonsspital Aarau (Tiefen- und Oberflächenhyperthermie) sowie im Lindenhofspital Bern (Oberflächenhyperthermie) durchgeführt. Beide Zentren weisen mit dieser Therapie Erfahrung von über 30 Jahren aus. Die Therapieform bietet sich bei verschiedenen Indikationen an, so z.B. bei wiederkehrendem Brustkrebs, schwarzem Hautkrebs, nicht-operablen Kopf-Hals-Tumoren und Sarkomen der Extremitäten (Oberflächenhyperthermie/Radiotherapie) oder zur Therapie von Tumoren in der Becken- und Bauchregion wie Blase, Enddarm oder Bauchspeicheldrüse (Tiefenhyperthermie/Radiotherapie). Diese Therapie hat auch einen festen Stellenwert bei Tumorrückfällen in bereits bestrahlten Regionen, wo eine Operation oder eine alleinige Bestrahlung nicht mehr möglich ist.

 

Vom 21. – 23. Juni 2017 findet der nächste internationale Hyperthermie-Kongress (European Society for Hyperthermic Oncology, ESHO) in Athen statt. Die Schweiz ist mit insgesamt 6 Beiträgen,  drei  davon im Hauptprogramm vertreten.  Mehr Informationen unter www.esho2017.eu.