Eine neue Herzklappe via Leiste implantieren? Ja, das geht: Beim «TAVI»-Verfahren wird – anders als bei der konventionellen  Vorgehensweise – nicht der ganze Brustraum operativ eröffnet, sondern der Zugang über ein Blutgefäss gelegt.

Mit Draht und Ballon
Dafür nimmt der Arzt eine Punktion der Leistenarterie vor und legt so einen Zugang zum Herzen. Durch diesen führt er die «kleingefaltete»  neue Herzklappe ein, schiebt sie über einen Draht durch die alte,  verkalkte Klappe hindurch und eröffnet das Implantat mittels Ballon. Die Grösse der benötigten Klappe wird vorgängig genau bestimmt. Durch das Drahtgeflecht «sitzt» sie von Beginn an richtig und muss nicht angenäht
werden.

«Der Eingriff über die Leiste ist technisch unkompliziert. Die Vorabklärungen jedoch sind aufwendig», sagt Igal Moarof. So müssen die Passform und das geeignete Material der Herzklappe – diese sind mehrheitlich aus biologischem Material oder aus Kunststoff gefertigt – sowie der optimale Zugangsort bestimmt werden. Denn: Kommt die Leiste nicht infrage, kann eine künstliche Herzklappe auch via Brustkorb minimal-invasiv eingesetzt werden. Bei beiden Eingriffen sind Komplikationen möglich; etwa eine Verletzung der Blutgefässe oder des Herzens.  Zudem würden etwa 10 bis 15 Prozent der «TAVI»-Patienten danach einen Herzschrittmacher benötigen. Aktuell wird das neue Verfahren nur bei Patienten eingesetzt, bei denen eine herkömmliche Aortenklappen-Operation zu risikoreich wäre.

«Inhouse-Chirurgie» nötig
Das «TAVI»-Verfahren gehört zu den spezialisierten Eingriffen, für die eine «Inhouse-Herzchirurgie » nötig ist. Im neuen Herzzentrum Aargau arbeiten die Kardiologen des KSA eng mit den Herzchirurgen der Hirslandenklinik Aarau zusammen. André Vuilliomenet: «Es ist erklärtes
Ziel beider Institutionen, eine Herzmedizin auf universitärem Niveau für den ganzen Kanton anbieten zu können.»