Klara Rodel (Name geändert), 66, kennt das Prozedere. Vor fünf Jahren hat sie in ihrer linken Brust einen Knoten entdeckt und wurde vom Frauenarzt ins Kantonsspital Baden überwiesen. Es folgten Mammographie, Ultraschall, Biopsie – das volle Programm. Der Tumor,
der sich als bösartig herausstellte, wurde operativ entfernt.

Je früher, desto besser
«Je früher man Brustkrebs entdeckt und behandelt, desto grösser die Überlebenschancen der Patientin», erklärt Rahel Kubik, Chefärztin der Radiologie am Kantonsspital Baden. Nicht von ungefähr lautet darum die Empfehlung an Frauen ab 50, sich alle zwei Jahre einer Mammographie zu unterziehen. Dieses radiologische Verfahren, bei dem die Brustdrüse mit Röntgenstrahlen untersucht wird, stellt nach der Tastuntersuchung die nächste wichtige Abklärungsmöglichkeit bei Veränderungen in der Brust dar. Die Strahlenbelastung gilt als gering. Sie entspricht ungefähr derjenigen eines einwöchigen Aufenthaltes im Gebirge über 2000 Metern Höhe. Rahel Kubik betont: «Dennoch überprüfen wir die Notwendigkeit einer jeden Mammographie genau und legen grössten Wert auf den Strahlenschutz.»

Klara Rodel kommt seit der Operation regelmässig zur Nachkontrolle. So auch heute wieder. Speziell dabei: Sie ist eine der ersten Patientinnen, bei der Bianka Freiwald, Leitende Ärztin der Radiologie, nach der  Mammographien noch eine Tomosynthese der Brust erstellt. Dies geschieht im gleichen «Arbeitsgang», am selben Gerät, und es kommen ebenfalls niedrig dosierte Röntgenstrahlen zum Einsatz.

3-D ermöglicht genaueres Bild
Der Unterschied: Bei der Tomosynthese bewegt sich das Gerät leicht,
denn dank mehrerer Aufnahmen aus verschiedenen Winkeln (sogenannten Schnittbildern, wie man sie auch von der Computertomographie und der Magnetresonanztomographie kennt)
entsteht ein dreidimensionales Bild der Brust. Der Vorteil dabei? «Darauf sind Veränderungen – vor allem bei Frauen mit sehr dichtem Brustgewebe – dank der hoch aufgelösten und sehr detailgenauen Bilder deutlich erkenn- und vor allem interpretierbar», erklärt Rahel Kubik. Die Aufnahmen werden vom Computer auf nur einen Millimeter dicke Schichten berechnet. Die Brust wird quasi «durchsichtig» – und die
Ärztin erkennt darum auch jene Tumorknötchen, die sich, salopp gesagt,
zwischen den verschiedenen Gewebeschichten verstecken.

Anders formuliert: Der grosse Nachteil der herkömmlichen Mammographie
ist, dass durch die Überlappung der verschiedenen Gewebestrukturen
bestimmte Veränderungen nicht von normalem Drüsengewebe zu unterscheiden sind. Kubik: «Selbst erfahrende Diagnostiker können nicht alle Tumore erkennen, wenn einzig eine normale Mammographie durchgeführt wird.»

Zusätzliche Diagnosemöglichkeit
Die Tomosynthese ist eine technische Weiterentwicklung der Mammographie und gibt den Ärzten ein zusätzliches Instrument für die Diagnose in die Hand. Zielgruppe sind Frauen mit sehr dichtem Brustgewebe, mit einem unklaren Befund oder – wie bei Klara Rodel der Fall – mit bereits operiertem Brustkrebs. «Die Tomosynthese wird nicht standardmässig, sondern individuell auf die Patientin abgestimmt,  eingesetzt», erklärt Bianka Freiwald. Ob eine Frau dichtes Brustgewebe hat oder nicht, ist im Übrigen abhängig von ihrer familiären Veranlagung, einer allfälligen Hormoneinnahme und dem Alter.

Weniger Biopsien nötig
Was die Fachfrauen an der neuen Technik schätzen: «Die Tomosynthese
erhöht die Diagnosesicherheit, bedeutet weniger Nachuntersuchungen und verringert die Anzahl unnötiger Biopsien», so Bianka Freiwald. Rahel Kubik ergänzt: «Mikroverkalkungen in der Brust, die auf dem  herkömmlichen Mammographie-Bild als verdächtige Karzinomvorstufe interpretiert werden könnten, sind dank Tomosynthese jetzt klarer identifizierbar und machen eine Biopsie im besten Fall überflüssig.»