Es sind drei Buchstaben, mit denen jeder Mann in der zweiten Lebenshälfte in Kontakt kommt – und die nicht selten für Herzklopfen sorgen. Die Rede ist von PSA, der Abkürzung für «prostata-spezifisches Antigen». Dabei handelt es sich um ein Eiweiss, das im Blut nachgewiesen wird und das bei der Früherkennung von Prostatakrebs eine zentrale Rolle spielt.

Wie hoch ist das persönliche Risiko?

Früherkennung: Ein wichtiges Thema, wenn man bedenkt, dass Prostatakrebs die zweithäufigste Krebstodesursache bei Männern darstellt. Professor Franz Recker, Chefarzt der Urologie am Kantonsspital Aarau und Leiter des Prostata-Zentrums, betont jedoch: «Männer sollen sich wegen des PSA-Werts nicht verrückt machen lassen.» Er hat – im Rahmen seiner langjährigen und mehrfach ausgezeichneten Forschungstätigkeit und anhand der Daten von 5000 Patienten aus der Schweiz – einen «Risiko-Kalkulator» entwickelt. Dank diesem lässt sich abschätzen, wie hoch das Risiko eines einzelnen Patienten ist, an einem Prostatakarzinom zu sterben. Erst kürzlich wurde Reckers Arbeit in medizinischen Fachpublikationen vorgestellt.

«Auf unnötige Eingriffe verzichten»

Franz Reckers Ansatz tönt so einfach wie vernünftig: «Es geht darum, nur jene Patienten zu behandeln, die es wirklich nötig haben und die nicht an den Operationsfolgen mehr leiden als am Karzinom selber.» In Zahlen ausgedrückt: Bei 40 Prozent aller Männer ab 60 Jahren finden sich im Prostatagewebe Krebszellen; jedoch nur 8 Prozent erkranken daran. «Die restlichen 32 Prozent sollte man vor unnötigen medizinischen Eingriffen verschonen.» Denn: Ein erhöhter PSA-Wert kann, muss aber nicht zwingend auf ein Prostata-Karzinom hinweisen. So wirken sich etwa eine normal vergrösserte Prostata wie auch akute oder chronische Entzündungen auf den PSA-Wert aus. «Gewissheit über ein mögliches Vorliegen von Krebs hat man erst durch die Entnahme einer Gewebeprobe.»

Und wenn diese positiv ausfällt? «30 Prozent aller Männer mit Prostatakrebs werden im KSA nicht behandelt, weil das Karzinom zwar vorhanden ist, aber nicht zu Beschwerden oder zum Tod führen würde.» Bei solchen Patienten sei eine «kontrollierte Beobachtung » ausreichend. «In diesen individuellen Fällen macht die regelmässige Kontrolle des PSA-Wertes Sinn», erklärt Daniel Seiler, stellvertretender Chefarzt der Urologie.

«Vorsorge für Risiko-Gruppen»

Was bedeutet das für die Vorsorge? Franz Recker plädiert für einen «besonnenen Umgang» mit dem PSAWert. «Mit dem Thema befassen sollten sich Männer ab 50 Jahren; zentral ist jedoch dabei, dass man wegkommt von der Vorsorge für alle, hin zur Vorsorge für Risikogruppen.» Dazu gehören Männer, bei denen Fälle von Prostatakrebs in der Familie vorgekommen sind oder ein verdächtiger Tastbefund erhoben wurde. Wesentlich sei, dass der Mann vor der ersten PSA-Bestimmung über Diagnostik und Therapie inklusive möglicher Nebenwirkungen informiert ist, so Recker. Bejaht er die Vorsorge, so kommt Reckers Lieblingssatz: «Nicht jeder früh erkannte Tumor muss therapiert, aber der behandlungswürdige Tumor sollte früh erkannt werden.»

Das Wichtigste in Kürze:

Das Wichtigste in Kürze Das Prostata-Zentrum des Kantonsspitals Aarau ist eines von gesamthaft sieben Kompetenz-Zentren der Schweiz und der Urologie angegliedert. Die Urologie, deren Ambulatorium zurzeit um- und ausgebaut wird, beschäftigt sich mit Krankheiten und Funktionen der Organe des Harntraktes bei Frau und Mann und der äusseren Genitale beim Mann. Behandelt werden – neben Prostatakrebs, der etwa 50 Prozent der Fälle ausmacht – auch Blasen- und Nierensteinleiden, Nierentumore, Infektionen des Harntraktes, Erektionsund Fruchtbarkeitsprobleme. Internet: www.prostatazentrum.ch

Autorin: Ursula Känel Kocher / Gesundheit Aargau