Herr Hepp, wer profitiert vom neuen Angebot der Kriseninterventionsstation?
Urs Hepp: Menschen in suizidalen Krisen beispielsweise. Diese brauchen während der Krise, die oft nur eine kurze Zeit andauert, einen gewissen Schutz und Rückzugsmöglichkeiten. Zur erfolgreichen Bewältigung gehört aber auch, rasch wieder im Leben Fuss zu fassen.


Das heisst: Der Aufenthalt sollte nicht zu lange dauern.
Sofern er überhaupt nötig ist! Die Erfahrungen der letzten Jahre mit der bereits bestehenden Triage-Station zeigen, dass nicht alle Patienten, die zur stationären Behandlung zugewiesen werden, tatsächlich in der psychiatrischen Klinik behandelt werden müssen. Einige können ebenso gut von einer Tagesklinik profitieren, wo tagsüber eine intensive Behandlung erfolgt, sie am Abend aber wieder ins gewohnte Umfeld zurückkehren.


Ein Beispiel?
Patienten mit Angststörungen etwa können oft ambulant besser behandelt werden. Die Angst führt dazu, dass sich diese Menschen immer mehr zurückziehen. Auch für die Angehörigen ist dies eine enorme Belastung, und eine Hospitalisation scheint dann oft die einzige Lösung zu sein. Gerade diese Patienten sollten aber lernen, wenn immer möglich, sich ihren Ängsten im Alltag zu stellen. Dazu bietet eine ambulante oder tagesklinische Behandlung bessere Voraussetzungen.


Die Gesamtsanierung der Klinik Königsfelden sieht keine Erweiterung der Anzahl stationärer Betten vor, obwohl die Nachfrage gross wäre. Ist das neue Angebot auch eine Reaktion darau
f?
Ja, genau. Die Fachleute vor Ort wählen zusammen mit den Patienten die geeignetste Behandlungsform - stationär oder ambulant. Die Kriseninterventionsstation, die ab 2014 den 24-Stunden-Betrieb an sieben Tagen die Woche aufnimmt, ermöglicht auch sehr kurze Aufenthalte. Beides erlaubt, die Zahl stationärer Betten tief zu halten und bei der Gesamtsanierung eine schlanke und kostengünstige Struktur zu planen.


Zur Person:
PD Dr. med. Urs Hepp ist Chefarzt der Psychiatrischen Dienste Aargau AG.

Interview: Ursula Känel Kocher / Gesundheit Aargau