Das Kantonsspital Aarau setzt neuen Schwerpunkt in der Phlebologie und eröffnet ab August eine ambulante Spezialsprechstunde. Diese wird sowohl am bisherigen Standort der Angiologie als auch am KSA am Bahnhof geführt. Gemäss modernen Behandlungsstandards wird dabei zunehmend auf Skalpell und grosse Operationen verzichtet und stattdessen auf minimal-invasive Behandlungen gesetzt. Damit trägt das Zentrumsspital den Wünschen der Patienten sowie den demografischen Entwicklungen Rechnung.

Gemäss Hochrechnungen von Studien werden Gefässerkrankungen bis im Jahr 2020 um 19% zunehmen. In der Behandlung von Krampfadern (Varizen) hat der Laser in vielen Fällen das Skalpell ersetzt. „Dies entspricht einem Trend in der Medizin“, erklärt Dr. med. Ernst Gröchenig, Chefarzt der Angiologie am Kantonsspital Aarau. “Die Patienten fordern zunehmend kürzere und für den Körper schonendere Behandlungsmethoden“, führt der Gefässmediziner aus. So wird in der neuen Spezialsprechstunde die endovenöse Lasertherapie und ultraschallgezielte Schaumverödung als Alternative zur herkömmlichen Krampfaderoperation angeboten. Diese minimal-invasiven Eingriffe dauern circa eine Stunde und werden ambulant durchgeführt. Nach rund 1000 Eingriffen weiss Gröchenig: „Die Behandlungen sind nebenwirkungsarm, kostengünstig und schränken die Arbeitsfähigkeit zu keiner Zeit ein.“

Das Therapieangebot in der neuen Spezialsprechstunde ist umfassend. Ihr neuer medizinischer Leiter, Dr. med. et MSc. Hak Hong Keo, ist neben seiner Facharzttätigkeit auf dem Gebiet der Varizenbehandlung auch Spezialist in Sachen Thrombosen (Behandlung und Prävention) sowie chronischen Beinschwellungen, so genannten Lymphödemen. Für den leitenden Arzt steht die Diagnostik im Vordergrund: „Mittels nicht-invasiven Methoden zur Funktionsbeurteilung des Venensystems (Hämodynamik) und modernen bildgebenden Verfahren (Computertomographie und MR-Phlebographie etc.) können wir am Kantonsspital das Venensystem ganzheitlich untersuchen. In der Phlebologie ist eine präzise Vorabklärung das A und O, um Fehlbehandlungen und Frührezidive zu verhindern", klärt Keo auf.

Die Gefässmedizin wird in den nächsten Jahren an Bedeutung gewinnen, schätzen Fachleute. Gemäss Hochrechnungen von Studien werden sowohl Venen- als auch Arterienerkrankungen in den kommenden Jahren um bis zu 19% zunehmen. Dies ist u.a. auf die gestiegene Lebenserwartung zurückzuführen. Bereits jetzt leidet nahezu jede 2. Frau an Beinschwellungen. Von Venenproblemen sind jede 5. Frau sowie jeder 6. Mann betroffen. Die Anzahl der Patienten mit Krampfadernbeschwerden wird bis im Jahr 2020 rund 6% zunehmen. Betroffen ist vor allem die Altersgruppe der 30 – 69-jährigen, danach sinkt das Risiko leicht. Frauen sind etwas stärker betroffen als Männer.