Der siebenjährige Sohn von Claudia S. hustet seit zwei Tagen heftig. Er braucht einen Kinderarzt. Lorenz G. ist beim Orientierungslauf im Wald gestürzt und kann das linke Fussgelenk nicht mehr richtig belasten – ein Fall für den Notarzt. Und Stefanie S. möchte endlich ihre störenden Krampfadern entfernen lassen.

Sie alle sind ab dem 2. April im Aarauer Bahnhof gut aufgehoben. Dann eröffnet das Kantonsspital Aarau seine dort stationierte Multiklinik. Die 3400 Quadratmeter Geschossfläche im ersten Stock des Gebäudes teilen sich eine Notfall-, Kinder- und Frauenarztpraxis. Zudem nehmen hier in einem Monat auch Physiotherapeuten, Angiologen, Dermatologen und Allergologen ihre Arbeit auf.

Die Zahlen zum Neubau sind eindrücklich: «Zu Spitzenzeiten befanden sich 200 Handwerker gleichzeitig auf der Baustelle», sagt Andrea Hopmann, Leiterin Marketing und Kommunikation. In den 80 medizinischen Zimmern und 60 Nebenräumen wurden total 70 Kilometer Stromkabel verlegt, 180 Türen eingesetzt und 15 000 Anschlüsse für Geräte, Steckdosen, Schalter montiert.

Zentrale Lage als Vorteil

«Die Notfallpraxis im KSA wird durch die Aussenstation am Bahnhof erweitert und ergänzt – und bietet der Bevölkerung die Möglichkeit, gesundheitliche Probleme ohne Anmeldung, auch abends und an den Wochenenden, behandeln zu lassen», sagt Ulrich Bürgi, Chefarzt Notfallzentrum. Von der zentralen Lage am Bahnhof – Patienten können quasi direkt vom Gleis 1 ins Wartezimmer umsteigen – versprechen sich die beteiligten Ärzte viel.

«Mit unserer Kinderarztpraxis am Bahnhof rücken wir noch näher an die Bevölkerung. Dieses zentrale Angebot ist wichtig, da im Aargau ein akuter Kinderarztmangel herrscht», sagt Henrik Köhler, Chefarzt der Klinik für Kinder und Jugendliche. «Wir machen Vorsorgeuntersuchungen, Impfungen und behandeln die jungen Patienten bei akuten Erkrankungen, etwa Erkältungen oder Bauchschmerzen.»

Genügend Platz für Sprechstunden

Für die Frauenklinik löst das KSA mit dem Neubau am Bahnhof ein grosses Raumnotproblem. «Wir haben nun endlich genügend Platz und Personal für die Vorsorge- und Beratungssprechstunden, um das Bedürfnis der weiblichen Bevölkerung nach ärztlicher Betreuung im Raum Aarau abdecken zu können», sagt Gabriel Schär, Chefarzt der Frauenklinik. Dadurch gebe es auch für die Spezialsprechstunden, die am alten Standort bestehen bleiben, mehr Luft. «Ein Bereich, der gerade für ein Zentrumsspital sehr bedeutend ist.»

Wichtig zu wissen: Das «Spital im Bahnhof» funktioniert als Multiklinik- Betrieb – «aber es gibt hier keine Zimmer mit Betten; die Patienten werden alle ambulant behandelt und gehen danach wieder nach Hause», erklärt Andrea Hopmann. In der Angiologie etwa werden gemäss Chefarzt Ernst Gröchenig neue Methoden zur ambulanten Behandlung von Krampfadern angeboten. Die Physiotherapie verfügt über einen modernen Trainingsraum, «in dem wir Hobbysportler wie auch Profis betreuen», so Lorenz Moser, Leiter Physiotherapie. Dadurch, dass sich Notfall und Physiotherapie am selben Standort befänden, «kann der Patient sehr rasch einen Termin in der Physiotherapie erhalten mit dem Vorteil, dass der behandelnde Arzt direkt mit dem Physiotherapeuten das weitere Vorgehen besprechen kann.»

Die Dermatologie/Allergologie wird am Bahnhof das gesamte Spektrum an Hauterkrankungen behandeln. Spezialsprechstunden gibt es für Patienten mit chronischem Juckreiz, übermässigem Schwitzen, chronischen Wunden oder Handekzemen. «Zudem ist eine Spezialsprechstunde für Kinder mit dermatologischen Problemen reserviert», erklärt Chefarzt Markus Streit. Wer an schweren allergischen Reaktionen etwa auf Insektengifte oder Nahrungsmittel leidet, kann sich in der Allergologie desensibilisieren lassen.

Autorin: Ursula Känel Kocher / Gesundheit Aargau