Herr Vuilliomenet, manche Herzinfarkt- Patienten verlassen das Spital bereits nach drei Tagen wieder. Eigentlich unglaublich.

Vuilliomenet: Die heutigen Behandlungsmöglichkeiten haben die Sterblichkeit des akuten Herzinfarktes massiv gesenkt. Die notwendige Dauer des Spitalaufenthaltes beträgt noch 5 bis 7 Tage; tatsächlich können einige Patienten bereits nach 3 Tagen entlassen werden. Dennoch ist ein Herzinfarkt für die Betroffenen immer ein einschneidendes Erlebnis.

Wovon hängt es ab, wie schwerwiegend der Infarkt ist?

Ganz entscheidend ist die Zeit vom Auftreten der ersten Beschwerden bis zur Behandlung des Patienten. Je kürzer diese Zeitspanne, desto kleiner der Schaden am Herzen. Zudem wird die Schwere eines Infarktes dadurch bestimmt, welches Gefäss betroffen und wie gross das Gebiet des Herzmuskels ist, das nicht mehr durchblutet wurde.

Heisst konkret?

Zunächst ist es wichtig, dass sich Patienten mit den typischen Beschwerden unverzüglich in ärztliche Behandlung begeben. Bei Erhärtung des Verdachtes auf eine akute Durchblutungsstörung sollte ohne Zeitverzögerung die Zuweisung ins Zentrum erfolgen. Wird der Patient innerhalb von wenigen Stunden behandelt, kann der entstehende Schaden am Herzmuskel begrenzt und häufig klein gehalten werden.

Sie bieten Herzinfarkt-Patienten eine 24-Stunden-Notfallversorgung während 365 Tagen im Jahr.

Das KSA ist auf die Behandlung von Patienten mit akutem Herzinfarkt spezialisiert. Ganz wichtig dabei ist der Netzwerk-Verbund mit allen umliegenden Spitälern, womit ein sicherer Transport der Patienten ins KSA gewährleistet werden kann. Zur Diagnosesicherung genügen ein Gespräch, eine kurze Untersuchung und ein EKG. Nach ersten medizinischen Behandlungsmassnahmen wird der Patient ins Herzkatheterlabor gebracht.

Herzerkankungen am KSA

Rund 300 akute Herzinfarkte werden im Kantonsspital Aarau jedes Jahr mit akuter Ballondilatation behandelt, etwa 1500 Herzkatheteruntersuchungen durchgeführt und 800 bis 900 Patienten wegen Verengungen der Herzkranzgefässe zur Ballondilatation aufgeboten. Dies stellt aber nur einen Teil des ganzen Spektrums an Herz-Untersuchungen dar, die im Rahmen der Abklärung und Behandlung aller Herzkrankheiten vom Team der Kardiologie am KSA tagtäglich erbracht werden.

Und was geschieht dann?

Dort wird eine Herzkatheteruntersuchung durchgeführt und mit einer Ballondilatation das verschlossene Gefäss wieder eröffnet. Dies ist heute die übliche Behandlung von Verengungen der Herzkranzgefässe. Am Kantonsspital Aarau wird sie etwa 800- bis 900-mal jährlich vorgenommen. Speziell bei Patienten mit akutem Herzinfarkt stellt sie an das gesamte Team sehr hohe Ansprüche, da eine möglichst rasche Gefässeröffnung entscheidend ist, gleichzeitig aber auch kreislaufunterstützende Massnahmen nötig sind. In solchen Situationen kann nur ein Zentrum wie das KSA mit grosser Erfahrung höchste Behandlungsqualität sicherstellen.

Nicht jedes Stechen in der Brust deutet aber gleich auf einen Infarkt hin.

Nein, natürlich nicht. Typischerweise führen Durchblutungsstörungen am Herzen zu Angina-Pectoris-Beschwerden, die charakterisiert sind durch ein Druckgefühl im Brustkorb, allenfalls mit Ausstrahlung in die Arme oder die Halsgegend. Diese treten bei körperlichen Anstrengungen auf und klingen in Ruhe wieder ab. Solche Beschwerden sollen Veranlassung sein, sich medizinisch abklären zu lassen. Ein Grund für eine dringliche Behandlung liegt vor, wenn sie bereits bei kleinsten Anstrengungen oder sogar in Ruhephasen auftreten. Wenn die Schmerzen nach 20 bis 30 Minuten nicht von alleine abklingen, sollte man unverzüglich zum Arzt.