Miryam K., 26 Jahre alt, hat vor einem halben Jahr ihr erstes Kind geboren. Der Dammriss ist mittlerweile verheilt, doch seither leidet sie an Inkontinenz. «Ich verliere nicht nur Urin, sondern habe manchmal auch unkontrollierten Stuhlabgang», berichtet sie ihrem Frauenarzt beschämt. Sie fühle sich in ihrem Alltag bei allen Aktivitäten extrem eingeschränkt; auf Geschlechtsverkehr mit ihrem Partner verzichte sie seither vollständig.

Rösli G., 82 Jahre alt, ist eine rüstige Rentnerin, die gerne wandern geht. Doch auch sie leidet an – in den letzten Jahren zunehmender – Inkontinenz. Immer häufiger bleibt sie ihrer geliebten Wandergruppe fern.

«Betroffene ziehen sich zurück»

Für Prof. Dr. med. Michael K. Hohl, Leiter der Frauenklinik des Kantonsspitals Baden, zwei typische Beispiele: «Inkontinenz ist ein Tabu-Thema, das die Lebensqualität massiv beeinträchtigt. » Bei älteren Menschen sei sie neben der Demenz häufigster Auslöser dafür, dass sich Betroffene sozial zurückziehen.

Das müsste nicht sein. Denn: Inkontinenz kann heute erfolgreich behandelt werden, wie Ivan Vuko Tokic, Oberarzt im Blasen- und Beckenbodenzentrum des KSB, betont. So erinnert er sich an eine 80-jährige Patientin, die nach erfolgter Operation zu ihm gesagt habe: «Hätte ich gewusst, wie problemlos das Ganze abläuft und wie gut ich mich danach fühle, wäre ich schon zehn Jahre früher gekommen.»

Spezialisten gemeinsam am Tisch

Patienten mit Inkontinenz werden im Blasen- und Beckenbodenzentrum des KSB interdisziplinär behandelt. Das heisst: Involviert sind verschiedene Spezialisten. «Der Gynäkologe befasst sich mit der Körpermitte; aber auch die benachbarten Organe – Blase, Darm, Muskulatur, Nervengewebe – müssen miteinbezogen werden, wenn die Behandlung erfolgversprechend verlaufen soll», veranschaulicht Prof. Dr. med. Michael K. Hohl. Inkontinenz tangiere verschiedene Fachgebiete und verlange von den beteiligten Spezialisten die Bereitschaft, über den eigenen Gartenzaun hinaus zu blicken. Will heissen: Gemeinsam mit den Gynäkologen setzen sich Chirurgen, Gastroenterologen, Urologen und Beckenboden- Physiotherapeutinnen an einen Tisch und suchen nach der individuell besten Therapie für jede Patientin. Behandelt werden neben Urin- und Stuhlinkontinenz auch Senkungsbeschwerden (zum Beispiel Vorfall der Blase, Gebärmutter und/oder des Enddarms) sowie Sexualstörungen.

Apropos: Nicht nur Frauen, sondern auch Männer sind im Blasenund Beckenbodenzentrum des Kantonsspitals Baden anzutreffen. «Dies vor allem nach radikalen Prostata- Operationen», weiss Dr. med. Rüdiger Mascus, Leitender Arzt.

Individuelles Therapiekonzept

«Je nach Diagnose reicht die Therapie vom Beckenbodentraining unter Einsatz neuartiger Trainingsgeräte – etwa Biofeedback, Elektrostimulation, Magnetstuhltherapie sowie Pessartherapie – über medikamentöse Behandlungen bis hin zu minimal- invasiven Operationsmethoden», erklärt Dr. med. Rüdiger Mascus. Das Blasen- und Beckenbodenzentrum des KSB ist das erste ISO-zertifizierte Zentrum in der Schweiz.

Kontakt: Telefon 056 486 35 55

Internet: www.beckenbodenzentrumbaden.ch