Während es in der Schweiz bereits einige zertifizierte Brustzentren gibt, «tut man sich mit der unteren Körperhälfte eher noch schwer», so Andreas Keerl, Leitender Arzt des interdisziplinären Darmzentrums im KSB. Und dies, obwohl Darmkrebs bei Frauen und Männern die zweithäufigste Krebserkrankung darstellt. Immerhin: «Wird Darmkrebs rechtzeitig erkannt, ist er häufig heilbar», so Andreas Keerl. Aus diesem Grund rät er Personen spätestens ab 50 Jahren zur regelmässigen Dickdarmspiegelung (Koloskopie); «ist in der Familie bereits jemand an Darmkrebs erkrankt, besser noch früher».

Schneller Bescheid

Vor rund einem Jahr wurde die Zertifizierung des Darmzentrums durchgeführt. Das heisst: «Die Zusammenarbeit mit den niedergelassenen Ärzten in der Region wurde besser strukturiert und sämtliche Abläufe standardisiert.» Das tönt gut – doch was bringt es dem Patienten konkret? Keerl erklärt: «Ein Patient entdeckt Blut im Stuhl und sucht den Hausarzt auf, der ihn zu einem Spezialisten in der Region zur Darmspiegelung schickt. Dieser leitet eine Kopie des Befundes zu uns ins Darmzentrum weiter, und je nach Resultat bieten wir den Patienten in eine Spezialsprechstunde mit dem Chirurgen oder direkt zur Operation.»

Da alle Abläufe genau geregelt seien, erhalte der Patient deutlich früher Bescheid, was mit ihm los sei. Zudem werden alle medizinischen Entscheide an «Tumor-Boards» von einer Spezialistenrunde aus Onkologen, Chirurgen, Radiologen, Gastroenterologen und Pathologen gefällt. «Es gibt keine Einzel-Entscheide mehr, was sich positiv auf die Qualität auswirkt.» Operiert werden Darmkrebspatienten im KSB von spezialisierten Fachärzten, meist in minimalinvasiver Technik.

Ursula Känel Kocher